Vorsorgeuntersuchungen

Vorsorgeuntersuchungen

Sie erwarten ihr erstes Kind und möchten alles richtig machen? Neben der richtigen Ernährung gehören auch Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt zum nötigen vorgeburtlichen Programm. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Kontaktieren Sie am besten Ihren Gynäkologen sobald Sie erfahren dass Sie schwanger sind. Er wird das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen und die nötigen Untersuchungen anberaumen.

Damit Sie ungefähr wissen was auf Sie zukommt, haben wir die wichtigsten Untersuchungen sowie die Untersuchungsinhalte für Sie zusammengestellt. Alle diese Untersuchungen sowie die Untersuchungsergebnisse werden in Ihrem Mutterpass eingetragen. Diesen sollten Sie immer mit sich führen.

1. Untersuchung

Die Erstuntersuchung findet in der Regel nach Erkennen der Schwangerschaft, also etwa in der 5. SSW statt. Diese Untersuchung ist besonders wichtig, da die Schwangere hier über die Vielzahl an Möglichkeiten der vorgeburtlichen Untersuchungen informiert wird. Ausserdem wird der Schwangeren Blut abgenommen und das Blut hinsichtlich Blutgruppe und bestehender Antikörper untersucht. Dies ist wichtig, um Erstinfektionen gefährlicher Krankheiten (zum Beispiel Röteln) während der Schwangerschaft vorzubeugen. Üblicherweise wird in diesem Zusammenhang auch ein AIDS-Test gemacht, um eine mögliche Infektion des Babys während der Geburt durch die Mutter zu vermeiden. Ausserdem werden Blutdruck und Gewicht der Schwangeren erfasst.

Wie bei jeder weiteren Untersuchung wird auch jetzt schon ein Ultraschall der Gebärmutter gemacht. Dies ist zu Beginn der Schwangerschaft sehr wichtig um extrauterine Schwangerschaften (Eileiter- oder Bauchhölenschwangerschaft) ausschliessen zu können. Viel zu sehen gibt es bei dieser ersten Untersuchung aber noch nicht, und auch den Herzschlag können Sie frühestens ab der 6./7. SSW erkennen. Seien Sie also nicht enttäuscht und üben Sie sich in Geduld. Die Ultraschall-Untersuchungen werden bis etwa zur 13. Schwangerschaftswoche vaginal durchgeführt, ab dann ist auch ein Ultraschall via Bauchdecke möglich.

Weitere Untersuchungen

Sollten Sie während der Schwangerschaft keine Beschwerden haben, werden Sie ab nun etwa einmal im Monat einen Untersuchungstermin bei Ihrem Frauenarzt haben. Im allgemeinen Beschränken sich die Untersuchungen nun auf das Beobachten der Gewichtszunahme sowie eine Blutanalyse. Oft werden auch weitere Ultraschalluntersuchungen angeboten. Erst ab der 32. SSW werden Sie alle 2 Wochen zur Untersuchung aufgeboten und ab der 41. Woche mindestens wöchentlich.

Nutzen Sie die regelmässigen Besuche bei Ihrem Frauenarzt für Fragen oder wenn Sie unsicher sind. Sicher wird Ihr Arzt Ihnen Vitamintabletten für Schwangere verschreiben und bei Bedarf ein Eisen- oder Magnesiumpräparat empfehlen. Schwangere haben oft einen Eisen- oder Magnesium-Mangel. Ersteres zeigt sich in starker Müdigkeit, einen Magnesiummangel erkennen Sie am Auftreten von Muskelkrämpfen.

Sollten Sie irgendwelche Beschwerden haben, wie zum Beispiel starke Übelkeit oder Gleichgewichtsstörungen, so müssen Sie unbedingt Ihren Arzt darauf ansprechen. Bei ernsten Problemen müssen Sie auch nicht den nächsten Arzt-Termin abwarten sondern sollten unverzüglich mit Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen. Besonders wenn Sie Blutungen bekommen oder Bauchschmerzen, sollten Sie auf keinen Fall abwarten, sondern sofort Ihren Gynäkologen aufsuchen.

Pränatal-Diagnostik

Bei der Pränatal-Diagnostik geht es um das Erkennen von chromosomalen Defekten beim ungeborenen Kind. Leider kommt es in der Frühschwangerschaft in einigen Fällen zu Fehlern bei der Chromosomenteilung, was beim Fötus zu mehr oder weniger schweren Defekten führt. Die bekannteste Chromosomenstörung ist die Trisomie 21, auch bekannt als “Down-Syndrom”. Sicher kennen Sie Menschen mit dieser Störung und haben sich dazu bereits einige Gedanken gemacht.

Bei der Pränatal-Diagnostik lassen sich mittels verschiedener Methoden Gendefekte und weitere Fehlbildungen feststellen. Lassen Sie sich von der Fülle an möglichen Untersuchungsmethoden nicht verwirren, Ihr Frauenarzt wird Sie dabei kompetent beraten. Je nach Ihrem Alter und bestehenden Erkrankungen innerhalb Ihrer Familie und der Familie Ihres Partners wird Ihr Arzt das Risiko für Fehlbildungen und Defekte abwägen und Ihnen zu der einen oder anderen Untersuchungsmethode raten.

Gibt es in Ihrer Familie keinerlei Krankheiten und sind Sie unter 33 Jahre alt, wird der Arzt sicher zu einem Erst-Trimester-Test raten. Mittels diesem Test lässt sich die Gefahr von Fehlbildungen abschätzen und bei erhöhtem Risiko wird der Arzt zu weiteren Untersuchungen raten. Dabei wird zunächst die Nackenfalte des Babys gemessen. Kinder mit Downsyndrom haben oft eine verdickte Nackenfalte, was ein Hinweis auf Downsyndrom sein kann. Aber auch anhand weiterer anatomischen Abweichungen (Entwicklung der Nasenspalte, des Herzens und Länge des Oberschenkelknochens) kann das Risiko für Trisomie 21 abgeschätzt werden. Das Ergebis dieses Testes ist eine Wahrscheinlichkeit, mit der das Kind krank sein könnte. Daher stiftet der Test oft mehr Verwirrung als dass er beruhigt.

Wollen Sie es genau wissen, dann kommen Sie um eine eingehende Chromosomen-Analyse nicht herum. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen invasiven und nicht invasiven Untersuchungsmethoden. Die invasiven Untersuchungsmethoden sind mit einem 1%-igen Fehlgeburtsrisiko verbunden, da hierbei mit einer Nadel durch die Bauchdecke in die Fruchtblase (Amniozentese) oder die Plazenta (Chorionzottenbiopsie) gestochen und Genmaterial entnommen wird. Völlig risikolos hingegen ist die nichtinvasive Blutanalyse. Dabei wird der Mutter etwa in der 12. SSW Blut entnommen. Aus diesem lassen sich fetale Chromosomenfragmente gewinnen. Alle drei Untersuchungsmethoden bieten sehr sichere Resultate. Wenn Sie also sicher sein wollen, ob Ihr Kind gesund ist, müssen Sie sich für eine dieser drei Analysen entscheiden.

Wenn Sie sich für die Pränatal-Diagnostik entscheiden, dann sollten Sie sich auch Gedanken darüber machen, was Sie im Zweifelsfall tun werden. Für viele werdende Eltern steht fest, dass ein Leben mit einem behinderten Kind keine Option ist. Lassen Sie sich in Ihrer Entscheidung nicht beirren und vermeiden Sie unschöne Diskussionen mit Bessermenschen. Das hilft Ihnen nicht weiter. Diese Entscheidung müssen Sie allein tragen. Es ist besser, eine Schwangerschaft abzubrechen, als sich ein Leben lang Vorwürfe zu machen, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Bedenken Sie auch den Einfluss eines behinderten Kindes auf weitere Geschwister. Wägen Sie genau ab, aber bleiben Sie bei Ihrer Entscheidung und lassen Sie sich niemals einreden. Das gilt auch dann, wenn Sie sich für ein behindertes Kind entscheiden. Ignorieren Sie die Blicke Ihrer Mitmenschen und lassen Sie sich nicht auf Diskussionen mit selbsternannten Experten ein. Dies ist und bleibt Ihre Entscheidung.

Selbstverständlich können Sie auch die Pränatal-Diagnostik durchführen lassen wenn Sie sich danach doch für ein behindertes Kind entscheiden. Oft hilft das Wissen um die Krankheit im Voraus und Sie können sich in Ruhe auf das Leben mit dem behinderten Kind vorbereiten. Lassen Sie sich auch hierbei gut beraten, aber lassen Sie nicht zu, dass Einfluss auf Ihre Entscheidung genommen wird.

Dieses Thema ist leider etwas umstritten. Lassen Sie sich dabei aber auf keinen Fall verunsichern. Die Pränatal-Diagnostik ist eine grossartige Errungenschaft der modernen Medizin und ermöglicht die Vorhersage von Gendefekten beim ungeborenen Kind. Die verschiedenen Diagnoseverfahren sind für Sie absolut freiwillig und ziehen niemals eine für Sie aufgezwungene Konsequenz nach sich. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, aber behalten Sie jederzeit das Recht auf eine freie Entscheidung. Niemand darf Sie zu einer solchen Untersuchung oder zu einer Konsequenz zwingen.

Finanzierung der verschiedenen Untersuchungen

Die Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft werden in den meisten deutschsprachigen Ländern von der Krankenkasse übernommen. Sie müssen sich also finanziell nicht beteiligen. Bei Problem- oder Risikoschwangerschaften übernehmen die Krankenkassen darüber hinaus noch weitere Leistungen, wenn sie medizinisch notwendig sind.

Nicht finanziert werden hingegen sogenannte freiwillige Leistungen auf Wunsch des Patienten, die medizinisch nicht unbedingt nötig sind. Auch die besprochenen pränatalen Genuntersuchungen werden nur bei besonderen Risiken (höheres Alter der Mutter, bekannte Krankheiten in der Familie) von der Krankenkasse bezahlt. Lassen Sie sich hier von Ihrer Krankenkasse beraten. Eine Fruchtwasseruntersuchungen kann schnell mehrere Tausend Euro kosten!

Ein paar tröstende Worte zum Schluss: bei all den verwirrenden Untersuchungen und den Risiken und möglichen Erkrankungen für Ihr Kind: fast alle Schwangerschaften verlaufen völlig problemlos und die meisten Kinder kommen völlig gesund auf die Welt. Bleiben Sie also gelassen. Überlegen Sie, welche Untersuchungen für Sie sinnvoll erscheinen und erfreuen Sie sich an Ihrer Schwangerschaft.

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