künstliche Befruchtung

Künstliche Befruchtung – Wenn das Wunschbaby ausbleibt

Jedes 6. Paar im deutschsprachigen Raum bleibt ungewollt kinderlos. Die Tendenz ist steigend. Und hinter jeder dieser statistischen Zahlen stehen individuelle Schicksale. Wer keine Kinder bekommen kann, leidet im Stillen. Selten wird über die erfolgslose Familienplanung gesprochen. Ungewollte Kinderlosigkeit ist kein Gesprächsthema und wird daher im Verborgenen gehalten.

Für die meisten Paare ist daher die letzte Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, die Reproduktionsmedizin. Mit ihr konnte in der Vergangenheit vielen Paaren geholfen werden, doch noch ihr Wunschkind zu bekommen. Doch wie verläuft eine künstliche Befruchtung? Auf was müssen sich die betroffenen Paare einstellen? Und welche Kosten kommen im Zweifelsfall auf Sie zu?

7 Phasen der künstlichen Befruchtung

Bei der künstlichen Befruchtung, auch In-Vitro-Fertilisation (IVF) genannt, werden Eizellen der Frau ausserhalb ihres Körper mit Samenzellen ihres Mannes befruchtet und anschliessend in die Gebärmutter eingebracht. Der Vorgang dauert etwa 40 Tage lang und erfolgt in folgenden Etappen:

1. Downregulation

In der zweiten Zyklushälfte wird mit dieser Hormonbehandlung begonnen. Dabei wird der körpereigene Zyklus mittels Hormonen heruntergedrosselt. Es kann dabei zu Nebenwirklungen ähnlich wie in den Welchseljahren kommen (Wallungen, Stimmungsschwankungen). Dieser Schritt ist notwendig, um die eigentliche hormonelle Stimulation der Eierstöcke vorzubereiten.

2. Hormonelle Stimulation

Die hormonelle Stimulation der Eierstöcke ist notwendig, um damit möglichst viele Eizellen auf einmal heranreifen. Das erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit der künstlichen Befruchtung. Während 11 bis 13 Tagen werden täglich Hormonspritzen gesetzt. In ganz seltenen Fällen kann es hier zu einer Überstimulation kommen. Die Nebenwirkungen betreffen dann vor allem Erbrechen, Übelkeit und Durchfall.

3. Reifung der Follikel

Etwa eine Woche nach der Stimulation reifen die Follikel heran. Dies wird mittels Ultraschall überwacht. Begleitend werden die Hormonwerte im Blut beobachtet. Dies ist nötig, um den genauen Zeitpunkt der Follikelreife zu ermitteln.

4. Eisprung

Sind die Follikel fertig herangereift, wird mittels Injektion des Hormons hCG der Eisprung ausgelöst.

5. Eizellentnahme

Etwa 36 Stunden nach Einleitung des Eisprungs werden die reifen Eizellen entnommen. Dies geschieht vaginal unter lokaler Betäubung oder einer leichten Narkose. Der Arzt entnimmt mit einer Hohlnadel eins ums andere Ei einzeln. Als Nebenwirkungen können in seltenen Fällen leichte Blutungen oder auch geringe Schmerzen auftreten.

6. Befruchtung der Eizellen

Am Tag der Eizellentnahme werden die Eizellen mit dem Sperma des Mannes befruchtet. Das Sperma sollte möglichst frisch sein, nicht älter als eine Stunde. Vor der eigentlichen Befruchtung wird das Sperma noch speziell aufbereitet. Dies dient dem Ziel, die Erfolgsquote der Befruchtung zu erhöhen. Pro Eizelle wird jeweils ein einzelnes Spermium mittels einer Nadel in die Eizelle direkt transportiert.

Es werden nun unter dem Mikroskop ein bis drei befruchtete Eizellen ausgewählt, die der Frau später in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die anderen Eizellen werden für eine eventuelle spätere Einpflanzung eingefroren.

7. Übertragung der Embryonen in die Gebärmutter

Nach zwei bis drei Tagen sind aus den befruchteten Eizellen kleine Embryonen geworden. Diese sind nun reif für den Transfer in die Gebärmutter. Am 40. Tag nach der ersten Hormonbehandlung (Schritt 1) werden die ausgewählten Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt. Dies geschieht mittels eines kleinen Schlauchs. Der Vorgang ist normalerweise für die Frau völlig schmerzfrei.

Erfolgsaussichten der Behandlung

Laut offiziellen Statistiken liegt die Geburtenrate nach einer künstlichen Befruchtung bei etwa 30 Prozent. Das ist eine relativ gute Erfolgsquote. Allerdings hängt dies entscheidend vom Alter der Frau ab sowie von der Art der Fruchtbarkeitsstörung.

Nicht jede IVF ist also erfolgsreich. Je nachdem kann die Behandlung danach mehrere Male wiederholt werden. Im Normalfall wird man mit der nächsten Behandlung 6 Monate warten. In dringenden Fällen können Sie aber auch nach 3 Monaten eine weitere Übertragung vornehmen lassen.

Risiken der Behandlung

Neben den hormonellen Risiken besteht bei künstlicher Befruchtung ein sehr hohes Risiko von Mehrlingsschwangerschaften. Dies ist logisch, da jeweils mehrere Embryonen in die Gebärmutter eingebracht werden. War die Einnistung erfolgreich, kann es daher sein, dass bis zu drei Embryonen heranreifen.

Beachten Sie bitte auch die normalen Risiken einer Schwangerschaft. Nicht jede Schwangerschaften endet mit einer Geburt: gerade in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten ist das Risiko einer Fehlgeburt relativ hoch. Dies ist auch nach einer künstlichen Befruchtung so.

Kosten der Behandlung

Eine künstliche Befruchtung kosten in Deutschland etwa 2.500 bis 3.000 Euro. Beachten Sie aber, dass die erste IVF nicht unbedingt erfolgreich sein muss und es meistens noch weitere Behandlungen braucht. Die Gesamtkosten der Behandlung bis zur erfolgreichen Schwangerschaft können sich daher schnell auf 7.000 bis 9.000 Euro belaufen.

Die Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Hälfte der Kosten für drei künstliche Befruchtungen. Allerdings gibt es dabei einige Voraussetzungen zu beachten:

• das Paar muss verheiratet sein
• die Frau muss zwischen 25 und 40 Jahren alt sein
• der Mann darf nicht älter als 50 Jahre alt sein

Die Kosten der Behandlung sind für verheiratete Paare steuerlich absetzbar.

In Österreich existiert für Fortpflanzungsbehandlungen ein spezieller IVF-Font der unter gewissen Bedingungen 70% der Behandlungskosten der künstlichen Befruchtung trägt. Die Bedingungen sind ähnlich geregelt wie in Deutschland (siehe oben).

In der Schweiz gibt es keinerlei finanzielle Unterstützung für Paare in der Fortpflanzungsmedizin. Da es sich bei Unfruchtbarkeit laut WHO offiziell um eine Krankheit handelt, ist es durchaus möglich, dass sich die Gesetzeslage in der Schweiz in den nächsten Jahren ändern wird.

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