Biologische Uhr

Wenn die biologische Uhr tickt – Kinderwunsch auf Eis gelegt

In unserer zivilisierten Welt wird der Kinderwunsch immer mehr hinausgeschoben. Männer fühlen sich oft noch nicht reif für ein Baby und Frauen wollen erst einmal Karriere machen. Wenn es dann endlich soweit ist und der Zeitpunkt für ein Baby perfekt wäre, fehlt es entweder am passenden Partner oder man ist dann langsam zu alt für eine eigene Familie. Was bei Männern noch mit über 50 Jahren möglich ist, wird für Frauen spätestens ab Mitte 40 zum Problem: die biologische Uhr. Sie setzt zumindest bei den Frauen ganz klare Altersgrenzen wenn es um die Familiengründung geht. Und so bleiben immer mehr vor allem hochausgebildete Karrierefrauen kinderlos, obwohl sie eigentlich gern eine eigene Familie gehabt hätten. Doch nun gibt es offenbar eine Lösung auch für Frauen jenseits der biologischen Fortpflanzungszeit: Das Einfrieren von Eizellen.

Eizellen einfrieren

Die Möglichkeit, eigene Eizellen einzufrieren gibt es schon lang. Doch nun wird dieses sogenannte Social Freezing offenbar zum Trend. Bei diesem Social Freezing geht es ausdrücklich um das vorsorgliche Einfrieren eigener Eizellen mit dem klaren Ziel, diese zu einem späteren Zeitpunkt selbst zu “verwenden”. Der Kinderwunsch wird dabei sprichwörtlich auf Eis gelegt.

Die Idee ist eigentlich gut. Bereits mit Mitte 20 beginnt die Fruchtbarkeit einer Frau zu sinken. Mit Mitte 30 fällt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft noch einmal dramatisch ab und bereits mit über 40 Jahren beträgt diese gerade noch einmal 5%. Die meisten hoch ausgebildeten Frauen beginnen jedoch erst mit Mitte 30 über die Familiengründung nachzudenken, also zu einem Zeitpunkt, wo ihre Fruchtbarkeit bereits massiv abgenommen hat. Daher ist es nur logisch und sinnvoll, seine eigenen Eizellen zu entnehmen und einzufrieren – zu einem Zeitpunkt, an dem die Eizellen noch relativ intakt sind und kaum genetische Schäden aufweisen. Ausserdem lassen sich mit dieser Methode die Wechseljahre überlisten.

Erfolgsquoten

Natürlich bietet auch diese Form der Kinderwunsch-Hilfe keine 100%ige Erfolgswahrscheinlichkeit. Vielmehr hängt der Erfolg auch hier vom Alter und den genetischen Voraussetzungen der Frau ab. Generell geht man davon aus, dass etwa 80-90% der Eizellen das Einfrieren überleben. Die anschliessende Befruchtung klappt in 60-70% aller Fälle. Insgesamt geht man von einer Erfolgschance von 40 bis 50 Prozent aus.

Entgegen landläufiger Bedenken gibt es kein erhöhtes Gesundheitliches Risiko für Kinder, die aus gefrorenen Eizellen geboren wurden. Auch genetisch sind diese Kinder vergleichbar mit Babys, die auf natürlichem Weg gezeugt wurden.

Wer kommt in Frage?

Für die Entnahme von Eizellen gibt es kein Altersober- oder Untergrenze. Die Reproduktionsmediziner sind sich allerdings einig, dass das ideale Alter etwa bei Anfang 30 liegt. Dann können die Eizellen für etwa 10 Jahre konserviert werden.

Oft kommen die Frauen jedoch erst mit Ende 30 oder sogar jenseits der 40 auf die Idee, ihre Eizellen zu konservieren. Dann ist die Qualität der Eizellen jedoch schon stark minimiert und die Erfolgsaussichten einer späteren Befruchtung sinken stark. Karrierefrauen mit Kinderwunsch empfehlen wir daher, sich bei Bedarf bereits in den frühen 30gern bei einem Reproduktionsmediziner zu melden, wenn sie sich für Social Freezing interessieren.

Vorgehen beim Social Freezing

Bevor eine Eizelle eingefroren werden kann, muss deren Wachstum hormonell stimuliert werden. Anschliessend werden Eizellen entnommen und eingefroren. Das klingt eigentlich ganz einfach, in der Praxis ist dies jedoch für die Frau eine sehr aufwändige Prozedur.

Mit der Behandlung wird meist in der zweiten Zyklushälfte begonnen. Dabei wird zunächst der natürliche Zyklus unterdrückt. Das kann mit Hormonen geschehen, die eigentlich Empfängnisverhütende Wirkung haben. Was widersinnig klingt, dient dem Zweck, den eigenen Homonrhythmus herunterzufahren. Anschliessend kann mit der hormonellen Stimulation der Eizellenreifung begonnen werden.

Danach werden die Eierstöcke hormonell stimuliert, damit gleich mehrere Eizellen heranwachsen. Zu diesem Zweck wird während 11 bis 13 Tagen täglich ein follikelstimulierendes Hormon gespritzt. Nach circa 7 bis 8 Tagen wird die Reifung der Eizellen mittels Ultraschall beobachtet. Eventuell kann auch ein Bluttest Aufschluss bezüglich der Eizellenreifung geben. Ist die Reifung der Eizellen erreicht, wird mittels einer hCG-Spritze der Eisprung ausgelöst.
Etwa 2 bis 3 Tage später werden die reifen Follikel vaginal entnommen. Dies geschieht unter einer leichten Narkose. In der Regel werden etwa 20 intakte Eizellen entnommen.

Risiken und Nebenwirkungen

In der Regel handelt es sich bei der Eizellenentnahme um ein risikoarmes Verfahren. Durch die Einnahme von Hormonen kann es jedoch in Einzelfällen zu Stimmungsschwankungen und einer leichten Gewichtszunahme kommen. Im Allgemeinen klingen diese Nebenwirkungen schnell wieder ab.

Kosten des Social Freezing

Social Freezing ist kein Schnäppchen. Das Aufschieben der Wechseljahre ist ein teures Unterfangen. Je nach Reproduktionsklinik schlagen für das Einfrieren der Eizellen etwa 2.000 bis 4.000 Euro zu Buche. Hinzu kommt eine Jahresgebühr von etwa 200Euro. Je nach Behandlungserfolg braucht es für die Gewinnung der Eizellen mehrere Behandlungen, die Kosten können sich daher rasch einmal vervielfachen.

Die anschliessende künstliche Befruchtung der Eizellen wird dann auch noch einmal teuer. Oft beteiligen sich hierbei jedoch die Krankenkassen.

An wen muss ich mich wenden?

Haben Sie Interesse an einem Social Freezing? Am besten wenden Sie sich an Ihren Gynäkologen und lassen sich beraten. Sie können sich jedoch auch direkt an ein spezialisiertes Kinderwunschzentrum in Ihrer Nähe wenden. Adressen und weitere Kontaktinformationen dazu finden Sie auf dieser Website: www.wunschkinder.net/zentren

Moralische Würdigung

Das Social Freezing ist eine relativ einfache Methode, seinen Kinderwunsch hinauszuschieben und es nimmt die Angst vor den Wechseljahren. Man sollte sich allerdings auch immer der weitreichenden Folgen der späten Familienplanung bewusst sein. Obwohl sich ein hohes Alter offenbar positiv auf die Entwicklung und Gesundheit der Kinder auswirkt, ist ein Mutterschaft um die 50 Jahre herum kritisch zu sehen. Sie müssen sich immer fragen, wie alt Sie sein werden, wenn Ihr Kind in die Schule kommt, die Ausbildung beendet, sein erstes eigenes Geld verdient. Wahrscheinlich müssen Sie Ihr Kind noch finanziell unterstützen, wenn Sie selbst schon lange nicht mehr im Arbeitsprozess stehen.

Und auch die körperlichen Nachteile einer späten Mutterschaft sind nicht zu unterschätzen. Das beginnt mit den grösseren Beschwerlichkeiten einer späten Schwangerschaft. Aber Sie müssen sich auch überlegen, ob Sie mit 50 Jahren noch in der Lage sind, mit Ihrem Kind herumzutoben, Fussball zu spielen oder die Nerven haben, sich stundenlanges Klavierüben anzuhören.

Bleiben Sie mit Ihrem Kinderwunsch realistisch. Auch wenn die Reproduktionsmedizin heutzutage fast alles möglich machen kann: die Natur hat sich etwas dabei gedacht, dass das beste Alter für die Familienplanung bei Anfang bis Mitte 20 liegt. Auch wenn das meistens nicht mit unseren persönlichen Karrierevorstellungen korreliert.

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