Kleines Monster zuhause

Hilfe! Wir haben ein kleines Monster zuhause!

“Yanis macht was er will. Er ist knapp drei Jahre alt und tobt uns den ganzen Tag auf den Nerven herum. Wenn ich etwas sage, lacht er mich aus und macht dann genau das Gegenteil. Er tyrannisiert uns laufend. Wenn er irgendwas nicht bekommt, dann wirft er sich auf den Boden und schreit und brüllt solange, bis er seinen Willen bekommt. Besonders schlimm ist das beim Einkaufen. Eigentlich können wir ihn da schon gar nicht mehr mitnehmen und es wundert uns ohnehin, dass wir noch ins Einkaufszentrum gelassen werden. Auch anderen Kindern gegenüber ist er rücksichtslos. Er kratzt und beisst und kennt überhaupt keine Scheu, auch nicht vor älteren Kindern. Ich trau mich kaum noch, mit ihm das Haus zu verlassen. Auch mein Mann hat keine Lust mehr auf diesen Nervenkrieg und wir haben schon überlegt, ob wir ihn allein in der Wohnung lassen, damit wir mal etwas Zeit zum Erholen haben. Wir sind total am Ende und wissen nicht mehr was wir machen sollen. Schimpfen und Reden helfen nicht. Und schlagen soll man ja sein Kind nicht, oder etwa doch? Manchmal sind wir kurz davor…”

Sarina M, 32 Jahre

Das was Sarina hier erlebt, ist für die Eltern sehr anstrengend und kräftezehrend. Eben war Yanis noch ein süsses Baby und plötzlich entwickelt er sich zum Tyrannen. Leider sind solche Phasen gar nicht so selten und selbst brave Kinder haben ab und zu solche Anfälle. Schlimm wird es erst, wenn sich das Kind permanent so verhält und seine Eltern mit Geschrei und Getobe förmlich erpresst. Haben auch Sie derartige Probleme mit Ihrem Kind? Wir sagen Ihnen was Sie tun können, resp. was Sie unbedingt vermeiden sollten. In ganz hartnäckigen Fällen wird es sich jedoch nicht vermeiden lassen, externe Unterstützung zu holen.

Lassen Sie sich nicht auf Machtkämpfe mit Ihrem Kind ein!

Egal wie die Situation in Ihrer Familie ist, ob Sie noch mehrere Kinder haben, ob Sie alleinerziehend sind: Sie sind der Chef! Überlassen Sie das niemals Ihrem Kind! Sie tragen die Verantwortung für Ihr Kind und das geht nur, wenn Sie der Chef sind. Lassen Sie sich das niemals nehmen und machen Sie dies Ihrem Kind klar. Ihr Kind muss lernen, dass es sich unterordnen muss. Wenn Sie einkaufen gehen müssen, dann muss es eben mitgehen, ob es will oder nicht. Und wenn alles gut geht, stellen Sie ihm den Spielplatz in Aussicht oder dass es ein Eis essen darf. Bewahren Sie Autorität, auch wenn dies altmodisch klingt. Ohne Autorität haben Sie verloren. Dann übernimmt Ihr Kind das Zepter und sie werden sich in einem ruinösen Spiessrutenlauf wiederfinden.

In vielen Foren und Ratgebern werden Sie an dieser Stelle den Rat lesen, mit Ihrem Kind zu reden, die Situation zu diskutieren und um sein Verständnis zu bitten. Vergessen Sie das! Wenn Sie das versuchen, haben Sie gegenüber Ihrem Kind komplett verloren. Gewisse Dinge können und dürfen Sie mit einem kleinen Kind nicht diskutieren. Es ist dafür noch gar nicht reif genug und wird Ihr Verhalten als Schwäche interpretieren. Und dann diskutieren Sie zukünftig jede noch so kleine Banalität mit ihm. Das halten Sie kräftemässig nicht lange durch. Daher unser Rat: Sie legen gegenüber Ihrem Kind fest, was passiert und was getan wird. Sie können es ihm erklären, aber niemals mit ihm diskutieren!

Lassen Sie sich niemals von Ihrem Kind erpressen!

Es ist eine alte Weisheit: wer sich einmal erpressen lässt, gerät schnell in einen Teufelskreis weiterer Erpressungen. Das gilt leider auch in der Kindererziehung. Kinder merken schnell, wie sie ans Ziel kommen, wenn sie etwas wollen. Lassen Sie dies ins Leere laufen. Sie entscheiden, wann es seinen Willen bekommt und wann nicht. Lautes Geschrei und Tyrannei sollten niemals ein Mittel zur Erreichung eines Kinderwunsches sein. Setzen Sie hier klare Grenzen und kommunizieren Sie das auch. Geben Sie niemals nach, nur weil Sie Ihre Ruhe wollen. Das funktioniert nur einmal und beim nächsten Mal haben Sie das Nachsehen. Stellen Sie ganz klare Regeln auf. Und erklären Sie diese zeitnah. Sagen Sie Ihrem Kind klar und deutlich, dass Sie ihm das Eis gekauft hätten, aber bei diesem Geschrei gibt es kein Eis und basta!

Natürlich lieben Sie Ihr Kind! Aber wenn Ihr Kind anfängt, Regeln aufstellen zu wollen und Sie herumkommandiert, dann müssen Sie eingreifen. Ihr Kind kann noch nichts selbst entscheiden oder Regeln aufstellen, es ist dafür noch viel zu klein. Also lassen Sie auch nicht zu, dass es dies versucht. Behalten Sie immer das Zepter in der Hand! Das Zusammenleben in einer Familie braucht gewisse Regeln. Und diese Regeln müssen von Ihnen kommen, Ihr Kind ist dafür noch zu klein. Auch wenn es das selber sicher gar nicht so sieht.

Seien Sie nicht nachtragend!

Kinder, vor allem kleine Kinder haben noch kein gut funktionierendes Langzeitgedächtnis. Dafür funktioniert das Kurzzeitgedächtnis umso besser. Wichtig ist es daher, zeitnah zu kommunizieren und zu agieren. Wenn etwas vorgefallen ist, dann warten Sie nicht auf eine günstige Gelegenheit, um dies mit Ihrem Kind zu diskutieren, sondern tun Sie das unbedingt direkt und vor Ort. Das kann im Einzelfall auch einmal schwierig sein, wenn Sie zum Beispiel im Supermarkt die Schokolade eben nicht kaufen wollen. Dann erklären Sie sofort, warum es die Schoggi jetzt nicht gibt und dass Sie sie vielleicht ein anderes Mal kaufen, wenn sich Ihr Kind im Supermarkt vorbildlich benommen hat.

Vermeiden Sie es aber unbedingt, nachtragend zu sein. Stundenlanges Schmollen und nichts Reden bringt gegenüber einem kleinen Kind gar nichts. Es wird nicht verstehen was das Problem ist und sich bei der nächsten Gelegenheit wieder falsch verhalten.

Suchen Sie nicht ständig die Schuld bei sich

Entschuldigen Sie sich nicht ständig bei Ihrem Kind, sondern nur wenn es ausnahmsweise mal wirklich angebracht ist. Stellen Sie sich niemals mit Ihrem Kind auf eine Stufe oder sogar darunter – das passiert nämlich beim Entschuldigen! Sie sind der Chef! Sie tragen die Verantwortung für Ihr Kind, das geht nur, wenn Sie überhaupt noch einen Einfluss auf Ihr Kind haben.

Und suchen Sie nicht die Schuld für das Verhalten Ihres Kindes bei sich. Kinder kommen auf die Welt und lernen unglaublich schnell, wie sie mit ihren Wünschen ans Ziel kommen. Haben sie einmal die Erfahrung gemacht, dass Schreien und Toben etwas bringt, dann werden sie in Zukunft nur noch schreien und toben. Die Leidtragenden sind Sie als Eltern und die nähere Umgebung des Kindes. Da kommen Sie schnell in einen Teufelskreis der Erpressung. Lassen Sie das niemals zu! Lassen Sie ihr Kind auch mal toben! Es beruhigt sich schon wieder und merkt dann, dass es nichts gebracht hat ausser einem heissen Kopf.

Werden Sie auch mal laut wenn es angebracht ist

Ständiges Rumschreien seitens der Eltern bringt nichts, da sind wir uns einig. Aber wenn wirklich mal etwas passiert ist, dann dürfen, ja müssen Sie sogar, etwas lauter werden. Kritik im Flüsterton wird von kleinen Kindern sicher nicht verstanden und es wird Sie mit grossen Augen staunend anschauen. Oder es merkt gar nicht, dass es etwas falsch gemacht hat.

Daher braucht es eine klare Kommunikation. Dies müssen Sie mittels Körpersprache und lautem Ton unterstreichen, nur dann wird es von Ihrem Kind wahrgenommen. Bleiben Sie dabei aber immer sensibel genug und beobachten Sie die Reaktion Ihres Kindes. Passen Sie die Lautstärke Ihrem Kind an. Lacht es immer noch frech und provozierend? Dann dürfen Sie noch einen Gang höher schalten. Weint es und hat Angst weil Sie sich so aufregen? Beruhigen Sie sich, nehmen Sie es in den Arm und erklären ihm, was Sie so aufgeregt hat.

Zeigen Sie keine Schwächen

Treffen Sie Entscheidungen und bleiben Sie dabei, ansonsten kann es sein, dass Sie in Zukunft jede Aktivität erst einmal mit Ihrem Kind diskutieren müssen.

Lassen Sie Ihr Kind entscheiden, wenn es etwas auf seinem Niveau zu entscheiden gibt. Zum Beispiel darf es wählen, ob es lieber auf den Spielplatz oder in den Park gehen möchte. Kinder müssen erst lernen, Entscheidungen zu treffen. Fangen Sie bei kleinen Dingen damit an, aber behalten Sie die wichtigen Entscheidungen unbedingt bei sich.

Vermeiden Sie Zynismus

Zynismus ist ein Art Humor, für den es eine gewisse Reife braucht. Kinder verstehen diese Art Humor in der Regel nicht und können damit nicht umgehen. Sätze wie: “Hast Du es jetzt endlich geschafft? Da wäre ja eine Schnecke schneller gewesen!” bringen bei kleinen Kindern Unverständnis, grössere Kinder werden unter Umständen verletzt reagieren. Vermeiden Sie derartigen Zynismus. Kommunizieren Sie auf der Stufe Ihres Kindes.

Bonus und Malus gehören zur Erziehung

Belohnung und Bestrafung sind wichtige Komponenten der Erziehung. Ohne diese werden Sie nicht auskommen. Wichtig dabei ist, dass Ihr Kind die Erziehungsmethoden nachvollziehen kann. Hat es etwas gut gemacht, wird es belohnt. Tyrannisiert es Sie absichtlich, dann wird es dafür bestraft. Bei konsequenter Anwendung wird es das schnell verstehen und sich entsprechend verhalten.

Kleiner Tipp: Wenn ihr Kind etwas gemacht hat, was sie verärgert hat, dann können Sie dies am Abend beim zubettgehen noch einmal mit ihm besprechen. Dies lässt sich auch gut in das Abendritual einbauen, wenn Sie beispielsweise jeden Abend das Tagesgeschehen mit Ihrem Kind kurz besprechen. Sagen Sie ihm, was den ganzen Tag passiert ist, was Sie gemeinsam unternommen haben und was Ihnen besonders an Ihrem Kind gefallen hat. Hier können Sie dann auch Kritikpunkte geschickt mit einbauen und ihm erklären, dass Ihnen der Schreianfall im Supermarkt gar nicht gefallen hat und welche negativen Konsequenzen dies hatte (es gab eben keine Schokolade und die Kassiererin hat ganz bös geschaut). Bleiben Sie mit Kritik diplomatisch und zeigen Sie Ihrem Kind auch immer einen Ausweg aus der Situation: “Wenn Du das nächste Mal im Supermarkt lieb bist, dann gibt es vielleicht die Schokolade.” Machen Sie diese Belohnungen aber nicht zur Routine, sonst wirken Sie bald nicht mehr. Und erklären Sie auch, dass die Dinge Geld kosten, und dass Sie nicht so viel Geld haben. Auch mit Engpässen muss es lernen, zurecht zu kommen.

Wenn gar nichts mehr geht: Holen Sie sich professionelle Hilfe

Wenn mal wieder gar nichts geht: seien Sie sich bewusst, dass ausnahmslos alle Eltern sich schon einmal in einer schwierigen Situation mit ihrem Kind befunden haben. Und oft hat man als Eltern das Gefühl, gleich rutscht die Hand aus. Das gibt es in den besten Familien. Aber wir sind uns einig, dass Schläge niemals eine Lösung sind. Bevor es also soweit kommt, holen Sie sich besser externe Unterstützung. Schämen Sie sich nicht, zuzugeben, dass Sie mit Ihrem Latein am Ende sind. Das machen die meisten Eltern mal durch, es redet nur niemand darüber.

Professionelle Unterstützung bekommen Sie von

• Ihrem Kinderarzt
• einem Kinderpsychologen
• in schwierigen Fällen beim Jugendamt
• Elternberatung

Elternberatungen gibt es in Deutschland unter: eltern.bke-beratung.de
In Österreich unter: www.oebeb.at
In der Schweiz unter: www.elternnotruf.ch sowie www.projuventute-elternberatung.ch

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>